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Atlas zu der Reise im nördlichen Afrika, p. 28Edit

German originalEdit

Der durch die vorstehende Beschreibung der von Rüppell übersendeten Giraffen-Köpfe erwiesenen Thatsache: dafs die Hörner dieses Thieres als besondere Knochen auf den Näthen selbst sitzen; schliefsen sich noch andere wichtige Resultate an. So viele wissenschaftliche Untersuchungen über die in den heiligen Urkunden und beinahe allen alten Schriftstellern enthaltene Nachrichten von dem Einhorn (dem Re'em der Bibel[1] dem μονόκερως der Septuaginta) mit den fabelhaften Berichten von demselben zusammengestellt worden, um die gewisse Existenz dieses Thieres darzuthun oder zu verwerfen — so viele Nachforschungen von glaubwürdigen und unzuverläfsigen Reisenden, die dessen Aufenthaltsort bald in die verborgensten Wüsten Afrika's, bald nach Asien verlegen, bekannt geworden sind — so viele Vergleichungen zwischen den, von dem Einhorn angegebenen wenigen Merkmalen in Beziehung auf seine Gestalt, Farbe, Lebensweise etc. und anderen gekannten oder nicht berichtigten Thierarten, als dem Orix des Oppian[2], dem Nashorn etc. unternommen worden, um die Vermuthung zu begründen, dafs eins von diesen Thieren unter dem Einhorn zu verstehen sey — so wenig waren alle diese urkundlichen Belege, Nachsuchungen und Vergleichungen für den Zergliederer befriedigend, der von dem Bildungsgesetz für die Hörner die Unmöglichkeit ableitet, dafs ein einzelnes Hörn mitten auf dem Kopfe, also auf der Stirnoder Pfeilnath, entstehen könne. P. Camper[3] hat diesen Grundsatz als mächtigen Zweifel gegen das Vorkommen eines einhörnigen Wiederkäuers festgestellt, und so viel uns bekannt ist, wurde derselbe bisher nicht durch genügende Thatsachen widerlegt. Diese Streitfrage sehen wir nun mit unserem getreuen Bericht über des Kamelparders Hörnerbildung als vollkommen erledigt an. Auch glauben wir aus der Anwesenheit des vorderen oder Stirnhornes bei unserem männlichen Thiere folgern zu dürfen, dafs das Einhorn überhaupt möglich, und dafs keinesweges ein einzelnes mitten auf dem Kopfe vorkommendes Hörn dem Bildungsgesetz der Kopfknochen entgegen sey.

Diese vorliegenden Thatsachen berechtigen zwar noch nicht, mit der Möglichkeit eines Einhornes auch dessen wirkliches Daseyn auszusprechen, allein sie müssen um so mehr zu Nachforschungen nach demselben auffordern, da wir uns überzeugt haben, dafs andere Thiere, deren die alten Urkunden erwähnen und welche bisher verborgen geblieben, (z. B. der Addax) wieder aufgefunden worden sind. Auch dringt sich die Vermuthung auf, dafs die alten Schriftsteller ihre Nachrichten über dasselbe aus dem nördlichen Afrika erhalten haben.— Am auffallendsten bleibt es immer, dafs die griechischen Uebersetzer der Bibel das Wort Re'em mit dem so sehr bezeichnenden Wort μονόκερως verdolmetscht haben. Man wird versucht als bestimmt anzunehmen, dafs sie das Thier, welches die heilige Schrift Re'em nennt, als Einhorn gekannt haben. Mag die Zeit die wichtige Aufgabe lösen — wir zeichnen hier noch die interessanten Nachrichten auf, welche Rüppell in Folge seiner Forschungen über das Einhorn zur einstweiligen Bekanntmachung eingesendet hat.

Der Reisende berichtet uns, dafs das Einhorn im Kordofan gekannt sey, und den Namen Nillekma führe; er sagt— "Die Nachrichten, welche ich über das Nillekma von Personen sehr verschiedenen Standes erhielt, stimmen alle darin überein, dafs dieses Thier einen röthlichen Balg habe, die Gröfse eines kleinen Pferdes, den schlanken Bau der Gazellen, und dafs das männliche ein langes, gerades, dünnes Hörn auf der Stirn trage, welches dem weiblichen fehle. Einige fügten hinzu, dafs es gespaltene Hufe habe, andere nannten es einhufig. Es bewohnt nach den Aussagen die von Kordofan südlich gelegenen Wüstensteppen, läuft ungemein schnell und kommt nur zufällig an die das Kordofan begrenzende Sklaven-Berge des Koldagi. Selbst drei verschiedene Araber sprach ich, welche das getödtete Thier mit eigenen Augen gesehen hatten. Von meinem Sklaven gab mir einer aus eignem freien Antrieb, als er die von Herrn Hey in der Wüste von Korti erlegten Antilopen sah, eine mit den später eingezogenen Nachrichten vollkommen übereinstimmende Beschreibung des Nillekma. Er hatte von demselben in seinem Vaterlande gegessen und schilderte mir dessen Körper als von einem sehr schönen Thier. Dieser Sklave ist von Koldagi und ich habe Gelegenheit gehabt, mich von der Aufrichtigkeit seiner Aussagen vielfältig zu versichern, da seine vorhergegangenen Beschreibungen der Thiere, die wir später erhielten, immer wahrhaftig waren."

Bei einer anderen Gelegenheit wurde Rüppell nochmals durch Araber von dem Vorkommen des Einhorns in den oben angeführten Wüstensteppen unterrichtet. Diese nannten es Anase. Er berichtet darüber folgendes: "Die Beschreibung dieser Araber, welche das Einhorn gesehen hatten, als sie einen südlichen Streifzug längs den Ufern des Bahhar Abbiad machten, stimmt mit derjenigen, die ich im Kordofan und von meinem Sklaven erhielt, vollkommen überein. Von ihnen wurde mir als bestimmt angegeben, dafs dasselbe gespaltene Hufe habe."


  1. Siehe Dr. Friedr. Albr. Ant. Meyer Versuch über das vierfülsige Säugethier Re'em der heiligen Schrift, als Beitrag zur Naturgeschichte des Einhorns, aus dessen zoologischem Archiv besonders abgedruckt. Leipzig 1196. Diese äusserst interessante Arbeit enthält wohl alles bis zu dieser Zeit über das Einhorn Bekannte.
  2. Siehe M. H. C. Lichtenstein über die Antilopen des nördlichen Afrika's in Beziehung auf die Kenntnife, welche die Alten davon gehabt haben. Berlin 1826.
  3. Siehe dessen Schreiben an die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin, in deren Schriften 7ter Band (oder Abhandlungen lter Band pag. 219.)

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